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Doping

Topläufer aus Kenia gesteht in der ARD Doping

Der kenianische Langstreckenläufer Mathew Kipkoech Kisorio © Imago Fotograf: Imago
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Mathew Kipkoech Kisorio ist ein Weltklasseathlet - und er hat gedopt. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt und Fernsehautor Robert Kempe haben sich unter Mithilfe des ARD-Korrespondenten Jochen Taßler auf die Spur des Langstreckenläufers begeben und den 23 Jahre alten Zehnten des Boston-Marathons getroffen. Im Gespräch mit der ARD gab Kisorio als erster kenianischer Athlet öffentlich zu, mithilfe verbotener Substanzen manipuliert zu haben. Hajo Seppelt im Interview mit sportschau.de über die Hintergründe, Erkenntnisse und den Anti-Doping-Kampf in Kenia.

Herr Seppelt, wie ist es zum Treffen mit Mathew Kisorio gekommen?
Seppelt: Wir haben in Kenia seit mehreren Monaten zu möglichen Dopingpraktiken recherchiert. Nachdem wir dort schon einige merkwürdige Beobachtungen machen konnten, hat sich parallel dazu die Zahl der Dopingfälle deutlich erhöht, die in Kenia offenkundig wurden. Ein Fall war Mathew Kisorio. Er ist ein absoluter Weltklasseläufer, läuft die 10.000 m unter 27 Minuten. Am 14. Juni ist er bei den kenianischen Meisterschaften in Nairobi positiv auf ein Steroid getestet worden. Wir haben dann in Kenia versucht, an ihn heranzukommen, was uns auch gelungen ist. Im Interview hat er als erster Kenianer eingeräumt, im großen Stil manipuliert zu haben.

Aus welchen Gründen hat er sich Ihnen anvertraut?
Seppelt: Er hofft offenbar, dass er durch die Aufklärung des Sachverhalts eine reduzierte Sperre vom nationalen kenianischen Verband bekommt. Deshalb ist er in die Offensive gegangen und hat mit uns gesprochen.

Warum hat er gedopt?
Seppelt: Er behauptet, dass ihn sein Arzt dazu angestiftet hat. Durch bessere Erfolge, die durch Doping leichter möglich sind, verdient ein Athlet Geld. Daran wollte der Arzt offenbar seinen Anteil haben. Der Arzt hat ihm offensichtlich Spritzen mit unerlaubten Mitteln verabreicht und zudem Tabletten gegeben. Eine dieser Tabletten führte mutmaßlich zum positiven Test.

"Glaubwürdigkeit erschüttert"

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt in London. © NDR
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Ist Kisorio ein Einzelfall oder zeichnet sich ein System ab?
Seppelt: Durch Kisorios Aussagen entsteht der Eindruck, dass nicht nur er betroffen ist, sondern es sich um ein weit verbreitetes Phänomen in Kenia handelt. Sein Credo ist, dass in Kenia viele Ärzte über das ganze Land verteilt mit Athleten zusammenarbeiten; darunter auch ein Arzt, mit dem er unter anderem zu tun hatte, der aber auch andere Weltklasseathleten betreut haben soll. Möglicherweise auch Olympia-Teilnehmer. Die Ärzte lassen sich demnach auch dort nieder, wo bevorzugt Athleten wohnen, wie zum Beispiel in den Trainingscamps im Hochland. Seiner Beobachtung nach ist diese Praxis kein Einzelphänomen, sondern überall in Kenia verbreitet. Die Athleten seien mehr oder weniger die Opfer einer profitorientierten Ärzteschaft, sagt er.

Halten Sie das für wahrscheinlich?
Seppelt: Ich glaube nicht, dass es allein so ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trainer und Manager, die übrigens vorwiegend aus Europa kommen, davon nichts wissen. Aber er hat sie in dem Interview zumindest nicht beschuldigt.

Im kenianischen Olympia-Team gab es noch keinen positiven Test. Welche Aussagekraft hat das?
Seppelt: Es gab bei diesen Olympischen Spielen überhaupt noch keinen einzigen positiven Test im Wettbewerb. Alle bisherigen Dopingfälle bei Olympia sind auf vorolympische Tests zurückzuführen, also auf Kontrollen außerhalb des unmittelbaren olympischen Wettkampfs. Aber das ist nichts Besonderes. Bei den Wettkampf-Kontrollen fallen nur die Allerdümmsten auf, weil die Mittel bis dahin eigentlich abgebaut sind. Nichtsdestotrotz ist die Glaubwürdigkeit der kenianischen Leichtathletik erschüttert. Überdies kann keiner mehr behaupten, dass dieses Laufwunder à la Ostafrika nur auf Hochland, gutes Essen und die Laufkultur zurückzuführen ist. Das spielt auch eine große Rolle. Aber man muss sicher feststellen, dass unerlaubte Substanzen auch einen Anteil daran haben.

Um welche Art Doping handelt es sich genau?
Seppelt: Bei Kisorio handelt es sich um Steroide. Er spricht aber davon, dass offenbar auch EPO-Injektionen, also Blutdoping verabreicht werden, und auch von Mitteln, die die Psyche stimulieren.

Wie ist der Anti-Doping-Kampf in Kenia organisiert?
Seppelt: Sicherlich nicht optimal. Es gibt inzwischen eine kenianische Anti-Doping-Agentur. Sie kann aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel nur in einem sehr reduzierten Ausmaß im Land testen. Das größte Problem ist, dass es in Kenia keine Blutkontrollen gibt, weil sie aus logistischen Gründen nicht durchführbar sind. Das ist natürlich betrüblich, zumal kenianische Läufer seit Jahren weltweit in der Spitze der Mittel- und Langstrecken dabei sind. Sie werden manchmal kontrolliert, wenn sie denn einmal in Europa unterwegs sind. Nicht aber im eigenen Land.

Das Gespräch führte Bettina Lenner, sportschau.de

Stand: 06.08.2012 15:23
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