
Von Bettina Lenner (Text) und Matthias Heidrich (Fotos)
Als David Bowies "Heroes" aus den Hallen-Lautsprechern erklang, Sir Chris Hoy Prinzessin Anne auf der Ehrenrunde die Siegerfaust entgegenstreckte und 6.000 enthusiastische Radsportfans aus dem Londoner Velodrom ein Tollhaus machten, konnten die beiden Teamsprinterinnen Kristina Vogel und Miriam Welte ihr Glück noch immer nicht fassen: "Ich freu' mich wahnsinnig. Auch wenn es schon ein bisschen komisch ist, so zu gewinnen", meinte Welte. Und Partnerin Vogel ergänzte: "Ich dachte, so viel Glück kann man eigentlich gar nicht haben. Aber die Regeln sind eben für alle da."
Zuvor hatten die Weltmeisterinnen, die bei der olympischen Premiere des Frauen-Teamsprints mit ihrem Sieg Geschichte schrieben, gleich zweimal von Disqualifikationen ihrer Kontrahentinnen nach Wechselfehlern profitiert. Erst erwischte es in der ersten Runde Großbritannien, wodurch die Final-Teilnehme des deutschen Duos überhaupt erst möglich wurde. Bei der Entscheidung patzten dann auch die Chinesinnen Gong Jinjie und Guo Shuang, die sich schon kräftig hatten feiern lassen, bevor sie von ihrer Rückstufung erfuhren.
Auch Vogel und Welte waren bereits auf die Ehrenrunde gegangen, hatten mit der Familie gejubelt, als sich eine Reporterin über die Absperrung beugte und die frohe Kunde überbrachte. "Ich dachte: geil, Silber. Und dann sind meine Augen plötzlich ganz groß geworden", schilderte die Erfurterin Vogel, die 2009 nach einem schweren Trainingsunfall zwei Tage im Koma gelegen hatte, den goldenen Augenblick: "Wir brauchen jetzt noch einen Moment, um das zu realisieren." Hand in Hand stand die noch immer verdutzten Olympiasiegerinnen auf dem Podium und sangen mit glänzenden Augen die Hymne.
Beim Bahnrad-Auftakt der Superlative mit jeder Menge Dramatik, historischen Momenten und Weltrekorden am Fließband rasten Rene Enders (Erfurt), Robert Förstemann (Gera) und Maximilian Levy (Cottbus) zu Bronze. Das deutsche Team hatte umstellen müssen, nachdem der viermalige Weltmeister Stefan Nimke wegen einer Muskelzerrung im Rücken kurzfristig passen musste. Ein bitterer Abschied für den 34 Jahre alten Olympiasieger von Athen 2004, der sich einen goldenen Abschluss seiner langen, erfolgreichen Karriere gewünscht hatte.
Die Gastgeber mit der vielumjubelten Ikone Chris Hoy als Schlussfahrer fuhren indes im Endlauf gegen ebenfalls schnelle Franzosen mit dem Fabel-Weltrekord von 42,600 Sekunden zu Gold, nachdem sie schon im Zwischenlauf in 42,747 Sekunden eine Welt-Bestmarke erzielt hatten. Die Halle inklusive der royalen Olympia-Botschafter William, Kate und Harry sowie Premierminister David Cameron stand Kopf. Der 36-jährige Hoy heimste damit seine insgesamt fünfte Goldmedaille ein und ist nun gemeinsam mit dem Ruderer Steve Redgrave britischer Rekord-Olympiasieger. Bei der Siegerehrung verdrückte der sonst so beinharte Schotte ein paar Tränen, 6.000 Zuschauer in der ausgefüllten Arena intonierten in einem Meer von Union Jacks vielstimmig die Nationalhymne. "Das ist absolut krass. Wenn man da oben steht, dann fühlt man die Halle beben", sagte Vogel und genoss die royal angehauchte Show in vollen Zügen: "Weltmeister gibt es jedes Jahr. Olympiasieger bleibt man für immer."
Bahnradsport - Miriam Welte und Kristina Vogel gewannen Gold im Teamsprint.[mehr]
Auf der Straße, auf der Bahn, am Berg auf dem BMX: Radsport bei Olympia hat inzwischen viele Facetten.[mehr]
| Pl. | Land | G. | S. | B. | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | USA | ![]() |
46 | 29 | 29 |
| 2. | CHN | ![]() |
38 | 27 | 23 |
| 3. | GBR | ![]() |
29 | 17 | 19 |
| ... | |||||
| 6. | GER | ![]() |
11 | 19 | 14 |
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