
Ein Urknall, ein Gänsehautmoment und viel Fantasie - mit einer spektakulären und farbenprächtigen Show hat London die 14. Paralympics eröffnet. 17 Tage nach dem Ende der Olympischen Spiele bereitete die britische Metropole am Mittwochabend der Sportwelt zum zweiten Mal in diesem Sommer einen herzlichen und atemberaubenden Empfang. Die Spiele werden ein Sportfest der Rekorde mit mehr als 4.000 Athleten aus 164 Ländern, 2,5 Millionen Besuchern und einem erwarteten Milliarden-Publikum vor den TV-Bildschirmen. Vor den Augen von Queen Elizabeth II. und Bundespräsident Joachim Gauck begrüßten die Londoner auch die von Schwimmerin Daniela Schulte ins Stadion geführten deutschen Athleten mit Jubel und Applaus. Um 0.00 Uhr Ortszeit entfachte Großbritanniens erste Paralympics-Siegerin, die heute 84-jährige Margaret Maughan, das paralympische Feuer, das nun bis zum 9. September im Olympiastadion brennen wird. Zuvor hatte die britische Königin die Spiele für eröffnet erklärt. Nachwuchs-Basketballer aus dem britischen Rollstuhlteam brachten die weiße Flagge mit Agitos - dem Symbol der paralympischen Bewegung - in die Arena.
Einen Gänsehautmoment erlebten die 62.000 Zuschauer gleich zu Beginn der dreieinhalb Stunden dauernden Zeremonie, als Stephen Hawking im Rollstuhl auf der Bühne erschien. Der an einer Nervenkrankheit leidende Physiker führte als Erzähler durch die von Hollywoodregisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot") unter dem Motto "Enlightenment" (Aufklärung) inszenierte Feier. Dann kam der große Knall - der Urknall dieser Paralympics. Ein gleißend heller Himmelskörper senkte sich in die Mitte des ausverkauften Londoner Olympiastadions und stellte, begleitet von einem Feuerwerk, die Geburt der Erde nach. Im Zentrum stand das kleine Mädchen Miranda, eine Figur aus William Shakespeares "Der Sturm", die mit Hawking das Publikum aufforderte, auf eine virtuelle Entdeckungsreise durch die Welt der Wissenschaft zu gehen. Spätestens als Rihannas Megahit "Umbrella" durch das Rund schallte, Tanzformationen für prächtige Stimmung sorgten und Seifenblasen durch die Luft schwebten, hielt es die Zuschauer kaum noch auf den Sitzen.
Die 150 Sportler zählende deutsche Delegation zog als 57. Nation in die Arena ein, angeführt von der blinden Fahnenträgerin Daniela Schulte. Zwei früheren deutschen Behindertensportlerinnen - Handycap-Rudererin Monika Tampe und Goalballspielerin Cornelia Dietz - war schon am Nachmittag die Ehre zuteil geworden, die paralympische Fackel für einige hundert Meter durch London zu tragen. Das deutsche Team ist zwar mit 20 Athleten weniger als in Peking am Start, dennoch soll es an den elf Wettkampftagen in insgesamt 503 Entscheidungen ähnlich viele Medaillen gewinnen wie in Peking (59 - davon 14 goldene). Als erste Anwärter für Gold, Silber und Bronze gelten unter anderen Sprinter und Weitspringer Heinrich Popow ("Ich fahre nicht nach London, um Zweiter zu werden"), Schwimmerin Kirsten Bruhn, der viermalige Paralympics-Champion Wojtek Czyz und der querschnittgelähmte Radsportler Michael Teuber.
"Wer noch nie paralympischen Sport gesehen hat, den wird es vom Hocker hauen", hatte Sebastian Coe, Präsident des Organisationskomitees LOCOG, vor den Spielen versprochen - und die Organisatoren hielten schon bei der Eröffnungsfeier Wort. In den kommenden Tagen will London alles bisher Dagewesene bei Paralympics in den Schatten stellen. Der britische Sender Channel 4 wirbt mit Blick auf Olympia mit dem Slogan "Danke fürs Warm-Up" und kündigt an: "Meet the superhumans" - Triff die Supermenschen. Mit den 14. Sommerspielen feiern die Paralympics auch ihre Heimkehr. 1948 fanden in Stoke Mandeville die ersten Wettbewerbe für Behinderte statt, organisiert vom deutschen Arzt Ludwig Guttmann. "Es ist mir eine Freunde zu verkünden: Willkommen zu Hause Paralympics. Alles wofür Sport steht, werden wir bei den Paralympics erfahren", sagte Coe in seiner Ansprache während der Eröffnungszeremonie. "Wir feiern, dass die Paralympischen Spiele nach Hause zurückkehren", fügte Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), hinzu: "Und wir feiern, dass Träume wahr werden."
Das deutsche Team ist zu den Paralympics in die britische Hauptstadt gestartet.[mehr]
150 deutsche Athleten werden an den Paralympics in London teilnehmen.[mehr]
Alle 15 deutschen Athleten, die 2008 in Peking paralympisches Gold gewonnen haben, stehen auch 2012 im Aufgebot[mehr]
| Pl. | Land | G. | S. | B. | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | CHN | ![]() |
95 | 71 | 65 |
| 2 | RUS | ![]() |
36 | 38 | 28 |
| 3 | GBR | ![]() |
34 | 43 | 43 |
| ... | |||||
| 8 | GER | ![]() |
18 | 26 | 22 |
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