Russland Das russische Doping-Problem
Die russischen Wintersportler kommen vor Beginn der Olympischen Spiele nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen. Wie das ZDF berichtet, wurde die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) massiv bei Kontrollen von russischen Sportlern behindert. Das soll aus einem internen Bericht der Agentur hervorgehen, der dem ZDF vorliegt. In dem Bericht beklagen sich Mitarbeiter, dass die Behörden im größten Land der Welt "es ausländischen Dopingkontrolleuren erschwerten, innerhalb des russischen Territoriums zu arbeiten".
So wurden Dopingproben mehrfach von der Polizei beschlagnahmt. In einem anderen Fall soll ein WADA-Mitarbeiter sogar für mehrere Stunden unter Arrest gestellt worden sein. Weitere Schikanen hätten die Kontrolleure bei der Ein- und Ausfuhr von Dopingproben und Kontroll-Gerätschaften erlebt, heißt es in dem Bericht weiter.
Rogge nimmt die Russen in Schutz
Unterdessen entkräftet der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, die Vorwürfe. Er sprach in einem ZDF-Interview lediglich von "Nachlässigkeiten" der russischen Behörden gegenüber illegalen Doping-Aktivitäten. Dem Vorwurf, es gebe ein staatlich gelenktes Doping-System, erteilte er eine entschiedene Absage.
- Epo - Die Ausdauerwaffe
- EPO ist ein künstlich gewonnenes oder körpereigenes Hormon (Niere), das zur Steigerung der Anzahl roter Blutkörperchen (Erythrozyten) eingesetzt wird. Durch die Erhöhung der Erythrozyten-Anzahl hat der Athlet eine höhere Ausdauerleistung und kann Belastungen in Training und Wettkampf besser verkraften.
Doch die Dopingbilanz der russischen Mannschaft in dieser Saison zeichnet ein ganz anderes Bild. Elf positive Fälle sind allein in den Wintersportarten bekannt geworden, zuletzt ertappten Fahnder Alena Sidko, die in Turin (2006) noch eine Bronzemedaille gewonnen hatte und vor Vancouver als heiße Kandidatin auf Edelmetall im Langlaufsprint gehandelt wurde. Bei der 30-Jährigen wurden Spuren von EPO im Blut nachgewiesen. Besonders auffällig findet das ZDF, dass alle betroffenen Athleten bei Wettkampfkontrollen oder im Ausland positiv getestet wurden. Überraschende Trainingskontrollen, die eigentlich das Kernelement des Anti-Doping-Kampfes darstellen, hatten zuvor keine Unregelmäßigkeiten zu Tage gefördert.
Rund 3.400 Proben vor und nach den Spielen
Überführt: Alena SidkoRechte: dpaFür die Spiele in Vancouver hat das IOC rund 2.000 Dopingkontrollen angekündigt. Allein der Internationale Skiverband (FIS) hat vor den Wettkämpfen in Kanada 1.396 Dopingkontrollen durchgeführt und dabei Skilangläufer und Nordische Kombinierer in den Fokus gerückt. Doch trotz dieser Anstrengungen hält Michael Vesper, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), weitere positive Funde für wahrscheinlich. Beim Radiosender hr-info sagte er, dass die deutschen Athleten dank ausgeklügelter Kontrollmethoden nicht unter den Sündern sein werden. Vesper lobte außerdem die verstärkten Anstrengungen des IOC. "Kein Betrüger kann damit rechnen, nicht erwischt zu werden."
Dopingexperte Franke übt Kritik
Das sieht Deutschlands prominentester Dopinggegner, Werner Franke, völlig anders. Der Heidelberger Molekularbiologe nannte die angestrebten 2.000 Tests "Mumpitz" und verwies auf die Schwachstellen im System. "Wer dahin reist und erwischt wird, der muss aus Doofmannshausen kommen", so Franke, "es wird einfach zu unintelligent getestet". Trotz der Mängel wurden in der Olympia-Geschichte 24 Goldmedaillen wegen positiver Tests aberkannt. Die meisten Goldmedaillen musste ausgerechnet ein Langläufer zurückgeben. Der gebürtige Bayer Johann Mühlegg, der 2002 in Salt Lake City für Spanien angetreten war, wurde nach überragenden Siegen in der Doppelverfolgung sowie über 30 und 50 km des Dopings überführt. Wie bei der Russin Sidko fand man auch bei Mühlegg Spuren von EPO im Blut. Wenn man es mit den Worten von Franke sagen würde, so war Mühlegg wohl am längsten in "Doofmannshausen".