Paralympics Hoffen auf den großen Durchbruch
Wenn in der Nacht zum Samstag (03:00 Uhr/MEZ) in Vancouvers BC Stadium die Paralympics mit einer großen Eröffnungszeremonie beginnen, gilt es ein kleines Jubiläum zu feiern. Im Westen Kanadas finden die 10. Winterspiele statt. Die ersten vier Winter-Paralympics von 1976 bis 1988 gingen noch abseits der "großen" Spiele über die Bühne, doch in den letzten Jahren haben sich auch die Behindertensportler mehr und mehr ins Rampenlicht gekämpft. Die Veranstalter in Vancouver wollen nun helfen, dass die Paralympics-Teilnehmer in der öffentlichen Wahrnehmung endgültig den Durchbruch schaffen. Mit einer umfangreichen Berichterstattung rücken auch ARD und ZDF die Spiele ins rechte Licht.
DBS-Athleten Medaillengaranten
Die siebenfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele (li./mit Guide Franz Lankes) hofft in Vancouver auf weitere Medaillen.Rechte: Deutscher Behindertensportverband e.V. Superstars im sportlichen Sinne gibt es bei den Behindertensportlern durchaus. Aus dem deutschen Team haben allein die sehbehinderten Verena Bentele und Frank Höfle zusammen 21 paralympische Goldmedaillen im Skilanglauf und Biathlon gewonnen. Überhaupt reden die deutschen Starter bei den Paralympics ein klares Wörtchen bei der Medaillenvergabe mit. Im ewigen Medaillenspiegel belegen die Athleten des Deutschen Behindertensportverbandes Rang zwei, in den Paralympics der letzten 18 Jahre wurden die DBS-Sportler immer mindestens Zweite der Nationenwertung.
Deutsches Sledge-Hockey-Team fehlt
Die deutschen Sledge-Hockeyspieler (in weiß) verpassten die QualifikationRechte: dpaAuch in Vancouver zählt das deutsche Team zu den Medaillenanwärtern. In den nordischen Sportarten können sich neben Bentele und Höfle u.a. der armamputierte Thomas Oelsner oder der contergangeschädigte Josef Giesen Hoffnungen auf Edelmetall machen. In den alpinen Wettbewerben geht der Paralympics-Sieg nur über den querschnittsgelähmten Martin Braxenthaler. Im Rollstuhl-Curling sind die Deutschen als drittbestes Team des vergangenen Jahres ebenfalls Mitfavoriten auf den Sieg. Nur im Sledge-Eishockey nicht: Hier verfehlten die Deutschen, immerhin Europameister von 2005, im November 2009 die Qualifikation knapp.
Fünf Sportarten
Biathlet und Langläufer Josef Giesen am Schießstand.Rechte: Deutscher Behindertensportverband e.V. Die Medaillen in Vancouver werden wie zuletzt schon 2006 im italienischen Turin in fünf Sportarten vergeben: Sledge-Eishockey, Rollstuhl-Curling, Ski Alpin, Skilanglauf und Biathlon. In den Mannschaftssportarten Sledge-Eishockey, das nach Regeln des Eishockey ausgetragen, aber statt auf Schlittschuhen auf einem kleinen Schlitten gespielt wird, und Rollstuhl-Curling, das in geschlechtsgemischten Teams ausgetragen und dafür ohne das charakteristische Wischen gespielt wird, wird nach einem Turniermodus der Gewinner ermittelt. In den Einzelsportarten hat sich seit Turin 2006 ein so genanntes "Handicap"-System durchgesetzt, was zur größeren Übersichtlichkeit führt, weil die durch unterschiedliche Behinderungsklassen verursachte Medaillenflut früherer Paralympics ausbleibt.
Vereinfachtes Klassifikationssystem
Martin Fleig aus Freiburg startet in der Kategorie "Sitzend".Rechte: Deutscher Behindertensportverband e.V. So kann trotz unterschiedlicher Behinderungsart ein Wettkampf innerhalb einer Kategorie stattfinden. Es wird nur noch nach "Blind", "Stehend" oder "Sitzend" unterschieden – jeder Sportler bekommt je nach Stärke der Behinderung in seinem Rennen eine individuelle Zeitgutschrift. Ein Doppel-Oberschenkelamputierter Alpin-Rennläufer darf demnach langsamer als ein weniger stark beeinträchtigter Krückenskiläufer sein, um Gold zu gewinnen.
540 Sportler erwartet
540 Athleten aus 44 Ländern werden in Vancouver und Whistler in 64 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Erstmals werden auch Sportler aus Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und Serbien dabei sein. 425 Doping-Tests sind vorgesehen, mehr als 6.100 Freiwillige haben sich als Helfer gemeldet, 1.400 Medien-Vertreter sind akkreditiert, etwa 250.000 Eintrittskarten sollen verkauft werden.
"Vancouver weist Rekordzahlen auf. Wir sind, glaube ich, auf einem guten Weg und werden uns weiterentwickeln", meint Sir Philip Craven, britischer Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Zum Vergleich: An den ersten Winter-Paralympics 1976 im schwedischen Örnsköldsvik nahmen 198 Sportler aus 16 Ländern teil, 2006 in Turin waren es 474 aus 39 Nationen.
ARD und ZDF: Live-Sendung in der Nacht - das Wichtigste am Morgen
ARD und ZDF werden dafür sorgen, dass die Fans in Deutschland rundum informiert werden. Auftakt macht das ZDF mit der Übertragung der Eröffnungsfeier in der Nacht zum 13. März zwischen 3 und 5 Uhr. Bis zum 16. März wird das ZDF die Senderegie übernehmen und über die Wettbewerbe der ersten Wettkampftage informieren. Am 17. März übernimmt die ARD die Berichterstattung von den Paralympics und wird auch die Schlussfeier am 21. März live zeigen. Beide Sender planen zwei Sendestrecken, eine Live-Sendung und eine zusammenfassende Sendung von jeweils etwa 60 Minuten Länge. Die Live-Sendung wird in Deutschland im Anschluss an das ARD-Nachtmagazin bzw. „heute nacht“ ausgestrahlt und zeigt die Ereignisse im Bereich Ski Alpin, Biathlon, Langlauf, Sledge-Eishockey und Rollstuhl-Curling.
Die zweite ARD-Sendung von den Paralympics wird in Deutschland zwischen 9 und 10 Uhr ausgestrahlt. Das ZDF beginnt mit seinen Sendungen eine Stunde später. In beiden Formaten werden die Tagesentscheidungen in Vancouver und Whistler Mountain bereits aufgearbeitet präsentiert.
ARD-Hörfunk berichtet rund um die Uhr
Auch der ARD-Hörfunk berichtet täglich ausführlich von den Paralympics. Im Mittelpunkt steht dabei die Berichterstattung über das aktuelle Wettkampfgeschehen.
olympia.ARD.de/paralympics
Mehr Informationen
Wer die Live-Berichterstattung im Fernsehen und Hörfunk verpasst, kann die Beiträge im Internet noch einmal hören. Wie bei den Olympischen Spielen bietet auch das Paralympics-Angebot von olympia.ARD.de zudem viele weitere Hintergrundinformationen.