50 Kilometer Langlauf Blinder Kanadier will starten
Der Kanadier Brian McKeever will Olympia-Geschichte schreiben. Der 30-jährige aus Canmore (Alberta) könnte der erste Wintersportler sein, der sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei den Paralympics in Vancouver an den Start geht. McKeever ist seit seinem 21. Lebensjahr blind.
Brian McKeever (hinten) lief bei den Paralympics in Turin zu Gold.Rechte: dpaAm Sonntag, dem letzten Tag der Winterspiele, will McKeever den ersten Teil seiner olympischen Geschichte angehen und über die 50 Kilometer im klassischen Stil laufen. Die Olympia-Qualfikation hat er geschafft. Kanadas norwegischer Langlauf-Trainer Inge Braten will McKeever aber nicht starten lassen. Das Dilemma für den Coach: Kanada hat vier weitere Langläufer neben McKeever, die sich für Olympia qualifiziert haben - und alle überzeugten im Rennen über 30 km.
Als sicher gilt McKeevers Start 14 Tage später bei den Winterspielen der behinderten Sportler erneut im Whistler Olympic Park. Er plant Starts im Langlauf über die fünf, zehn und 20 Kilometer sowie im Biathlon über 7,5 und 12,5 Kilometer.
Nur noch Schatten und Umrisse
- Morbus-Stargardt
- Die Netzhauterkrankung wurde nach dem deutschen Arzt Karl Stargardt benannt, der sie 1909 beschrieben hat. Die seltene Krankheit ist erblich bedingt und tritt bei Betroffenen im Teenager-Alter auf. Dabei wird die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, die Makula, zerstört. Ursache ist, das "Abfallprodukte", die beim Sehvorgang entstehen, nicht aus dem Auge abtransportiert werden, sondern sich ablagern.
McKeever gibt sich trotz seines historischen Auftritts bescheiden. Er habe nie ein Held sein, sondern nur das Beste aus sich heraus holen wollen. Seit seinem dritten Lebensjahr stand McKeever auf den Brettern. Als er 19 war, wurde bei ihm die Stargardt-Krankheit festgestellt. Die seltene Netzhauterkrankung sorgte dafür, dass er nach und nach das Augenlicht verlor. Zwei Jahre später galt er offiziell als blind.
Unterkriegen wollte sich McKeever dennoch nicht lassen. Zehn Prozent seiner Sehkraft sind ihm geblieben. Nur das sogenannte periphere Sehen ist noch möglich. McKeever kann noch Umrisse und Schatten seiner Umgebung wahrnehmen. Bei den Wettkämpfen der behinderten Langläufer hat er deshalb einen ständigen Begleiter und Zugmaschine, seinen Bruder Robin. Mit ihm holte er unter anderem bei den Paralympics 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin insgesamt vier Gold-Medaillen im Langlauf und im Biathlon.
Ohne Begleiter unterwegs
"Nun werde ich der erste sein, der in beiden Winterspielen mitmacht. Wenn das die Vorstellungskraft der Menschen anregt und ihnen zeigt, was Paralympioniken schaffen können, dann ist das gut so."
Doch wenn sich McKeever in Vancouver mit den "normalen" Athleten misst, muss er allein den Weg ins Ziel finden. Dafür hat er zwei Strategien. Zum einen will er versuchen, sich an die anderen Sportler anzuhängen und ihren Schatten zu folgen. Zum anderen verlässt er sich auf sein Gedächtnis. Er hat sich den Streckenverlauf in den vergangenen Tagen genau eingeprägt und schwierige Stellen wie etwa Abfahrten auswendig gelernt.