Entscheidung in der Super-Kombi Das goldene Comeback der Maria Riesch
Einen Tag nach der Enttäuschung in der Olympia-Abfahrt zeigte Maria Riesch bei der Super-Kombination ihre ganze Klasse. Sie fuhr zum ersten deutschen Olympiasieg bei den Alpinen seit dem Slalom-Triumph von Hilde Gerg 1998 in Nagano. Dauer-Rivalin Lindsey Vonn schied aus.
Bei der Kombi-Abfahrt schien es für Riesch schon wieder schief zu gehen, als sie beim zweiten Sprung nach 18 Fahrsekunden nur mit Mühe einen Sturz verhinderte und weit von der Ideallinie abkam. Riesch kämpfte sich mit einer couragierten Fahrt noch auf Platz zwei, nur 0,33 Sekunden hinter Abfahrts-Olympiasiegerin Lindsey Vonn (USA). Im folgenden Slalom spielte die Weltmeisterin ihre ganzes Können aus und fuhr mit siebtbester Laufzeit zu Gold. Im Ziel riss sie die Arme hoch - Silber war sicher, denn nur noch Vonn stand noch oben.
Konkurrentin Vonn schied aus
Lindsey Vonn schied nach einem Einfädler aus.Rechte: dpaAber die Amerikanerin verlor die Nerven, stürzte - und Riesch konnte befreit losjubeln. In 2:09,14 Minuten lag sie vor Julia Mancuso (USA), die schon Abfahrtssilber gewonnen hatte, und Anja Pärson (Schweden), die einen Tag nach ihrem schlimmen Sturz bei der Abfahrt ebenfalls ein unglaubliches Comeback feierte.
Die zweite deutsche Starterin, Gina Stechert aus Oberstdorf, schied nach Platz sechs in der Abfahrt im Slalom nach rund 20 Fahrsekunden aus.
Ende der Anspannung
Für die Riesch ist nach der Abfahrts-Pleite, wie sie zugab, "ein bisschen die Welt untergegangen". Umso größer die Freude über den Kombinations-Sieg: "Es ist Wahnsinn, dass ich doch die Goldmedaille gewonnen habe nach gestern. Ich habe gewusst, dass ich stark zurückkommen kann. Ich habe versucht, es so positiv anzugehen wie möglich. Gestern haben mir die Knie geschlottert und das ist kein gutes Zeichen, das war zuviel."
Mit dem Kombi-Gold nahm sie sich zugleich den Druck für die weiteren Entscheidungen. "Wenn ich es heute auch vergeigt hätte, hätt' es mal ganz schön düster ausgesehen. Dann wäre es ganz schön schwer geworden für den Kopf." So kann die 25-Jährige gelassen am Sonnabend den Super-G angehen. Außerdem startet die frischgebackene Olympia-Siegerin in der kommenden Woche noch im Riesenslalom und im Torlauf. Bis sie sich auf diese Wettbewerbe konzentrieren kann, muss sie aber jede Menge Trubel überstehen: Zunächst die Siegesfeier im Deutschen Haus und dann die vielen Interviews.
Erster Lauf als gute Vorlage
Mehr Informationen
Riesch war nach ihrem Abfahrtsdesaster kampfbereit ins Rennen gegangen. "Ich gehe mit Vollgas drauf", kündigte sie an - und ließ den Worten Taten folgen. Die "Ski-Königin" zauberte eine fast perfekte Kopie der Olympia-Generalprobe von 2008 in den Schnee von Whistler. Auch damals hatte sie die Abfahrt verpatzt und war gestürzt. Zwei Tage später gewann sie dann die Super-Kombi. "Sie überrascht mich immer wieder, wie sie zurückkommt. Das kann sie wie keine andere", sagte Frauen-Chefcoach Mathias Berthold nach Rieschs jüngster "Auferstehung". Vor zweieinhalb Wochen in St. Moritz schied Riesch erst in der Super-Kombination aus, ehe sie tags darauf die "unbezwingbare" Vonn bezwang.